Dialogprozess im Bistum Aachen
http://dialogprozess.kibac.de/nachrichten?mode=detail&action=details&siteid=102222&type=news&nodeid=8d5a89f7-9a38-4633-8f34-e551f65d299c
 
 
Weihbischof Johannes Bündgens eröffnete die Dialog-Wanderungen nahe Eschweiler

Gemeinsam auf dem Weg, unterwegs kamen die Dialogwanderer mit Weihbischof Bündgens zu sehr unterschiedlichen Themen ins Gespräch.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 20/2013

Damit Kirche Heimat bleibt

Bei der ersten Dialog-Wanderung machten sich Gläubige ganz praktisch als Volk Gottes auf den Weg

Was ist Heimat für mich? Wo und wie finde ich Heimat in der Kirche? Fragen, die Gläubige aus der Region Aachen-Land mitnahmen auf die erste Dialog-Wanderung mit Weihbischof Johannes Bündgens. Passend dazu führte der Weg durch den rekultivierten Braunkohletagebau bei Eschweiler-Neu-Lohn.

Wo sich jetzt wieder Wiesen und Wald erstrecken, lagen, bevor die Bagger kamen, die Dörfer Lohn, Pützlohn, Erberich, Fronhoven und Langendorf mit den Kirchen St. Silvester in Lohn und St. Josef in Fronhoven. Ihre neue Heimat gefunden haben die meisten Bewohner in Neu-Lohn.
Start- und Zielpunkt der ersten von acht Wanderungen in allen Regionen des Bistums Aachen, mit denen Bischof Heinrich Mussinghoff und die beiden Weihbischöfe an den 2012 gestarteten Dialogprozess anknüpfen wollen, war St. Silvester Neu-Lohn. Unterwegs wollen die Bischöfe mit den Menschen ins Gespräch kommen, über ihre Kirche, wo sie ihnen nah ist und wo nicht (mehr). „Wir haben keine Patentrezepte, aber es ist gut, dass wir ins Gespräch kommen, und es muss ja auch nicht immer dieselbe Antwort sein“, erklärte Weihbischof Bündgens zur Premiere.
Im Bistum Aachen habe man sich bewusst für diesen dezentralen Weg entschieden, ausgehend von den Reaktionen der Menschen auf den Fastenhirtenbrief von  Bischof Mussinghoff im vergangenen Jahr und den Gesprächen, die daraus bei einer gemeinsamen Veranstaltung entstanden seien. „Es geht nicht in erster Linie um Ergebnisse, sondern darum, dass das Gespräch weitergeht. Das Jahr des Glaubens und des Konzilsjubiläums ist dazu ein guter Anlass.“
Pfarrer Josef Wienand, Regionaldekan und Leiter der GdG Eschweiler-Nord, zu der auch St. Silvester gehört, begrüßte die gut 80 „Dialogwanderer“ (eine schöne neue Wortschöpfung, wie Weihbischof Bündgens feststellte). Viele kamen aus den Eschweiler Gemeinden, aber es waren auch einige Wanderer aus Herzogenrath, Alsdorf, Baesweiler und Stolberg mit dabei. Dafür, dass es der Brückentag zwischen Christi Himmelfahrt und dem Wochenende war, war die Resonanz aus Sicht der Organisatoren sehr positiv. Auch vom durchwachsenen Wetter ließen sich die Teilnehmer nicht abschrecken.
Mit den ersten Zeilen des 1. Petrusbriefes (der sich als roter Faden durch den Abend zog) als Impuls und der Frage nach Heimat in der Kirche machte sich die Gruppe auf die erste Wegstrecke. Damit möglichst viele die Gelegenheit hatten, mit Weihbischof Bündgens ins Gespräch zu kommen, signalisierte ein Glöckchen nach zehn bis fünfzehn Minuten einen Gesprächspartnerwechsel. Das klappte gut, nicht zuletzt weil er auch immer wieder selbst das Gespräch suchte.


Was kann das Leben in der Kirche schwer machen?

Für ihn war es ein „Heimspiel“. Der gebürtige Eschweiler verbindet mit der Kante, durch die der Weg führte, Erinnerungen unter anderem an Fahrradtouren mit seinem Vater. Hier boten sich dann auch schnell Anknüpfungspunkte.
Erste Zwischenstation war das „Küsterskreuz“, ein Wegkreuz von 1767, das während des Tagebaus in der Gemeinde in Sicherheit gebracht worden und nach Abschluss der Rekultivierung 2006 wieder an seinem alten Standort aufgestellt worden ist. Hier gab es auch den nächsten geistlichen Impuls, vorgetragen von Gemeindereferentin Cordula Kanera-Neumann und Pastoralreferentin Bärbel Schumacher aus dem Pastoralteam St. Castor in Alsdorf. „Was kann einem das Leben in der Kirche schwer machen?“ Dazu ließen sie beispielhaft Menschen verschiedenen Alters zu Wort kommen: die Geschiedene, die zweifelt, wie sie Glaube und neue Liebe leben kann, den ehemaligen Bergmann, der seine Kirche mitaufgebaut hat und nun ihre Schließung befürchtet, oder den Leiter der Jugendeinrichtung, der mit der Skepsis der Eltern angesichts der Missbrauchsdebatte zurechtkommen lernen muss. Sie alle stießen in ihrem Glauben und ihrer Kirche an Grenzen. In einem zweiten Impuls an der nächsten Station, der Gedächtniskapelle Lohn, ging es dann um Gedanken zur Frage „Volk Gottes auf dem Weg – ist das Wirklichkeit oder nur ein Traum?“. Menschen suchen und hadern auf ganz unterschiedliche Weise, aber sie finden auch immer wieder.


Wie Jugendliche in der Kirche Heimat finden

Die Gedächtniskapelle Lohn, an der eine etwas längere Pause eingelegt wurde, ist 2002/2003 erbaut worden. Sie steht an der Stelle, an der früher die Kirche von Lohn gestanden hat, und soll den ehemaligen Bewohnern des Kirchspiels ein Stück Heimat zurückgeben. Straßenschilder erinnern an den alten Ort, ein Aussichtspunkt gewährt den Blick auf die Bagger des Tagebaus Inden. Die Gespräche über Heimat und Heimat in der Kirche erhielten hier noch einmal eine eigene Tiefe. So kam Weihbischof Bündgens mit einer Gruppe Firmlinge aus Eschweiler-Dürwiß und ihren beiden Katechetinnen ins Gespräch – und wurde richtig gefordert. Junge Menschen bräuchten neue Formen für ihren Glauben, fühlten sich in der starren Liturgieordnung nicht zu Hause. Die Texte sprächen sie nicht an. Ob man nicht damit auch mal brechen müsste, um junge Christen nicht zu verlieren? Das sei nicht so einfach, die Messe sei kein Experimentierfeld, so Bündgens. Aber es gebe andere Formen wie beispielsweise das Taizé-Gebet, und seiner Erfahrung nach seien auch die älteren Gemeindemitglieder offen, wenn Jugendliche den Gottesdienst mit ihren Themen und Texten gestalteten.


Fantasievolle Wege in die Zukunft suchen

In seinem Fazit im Schluss-Wortgottesdienst in St. Silvester fasste er zusammen, was ihm seine Mitwanderer an Gedanken mit auf den Weg gegeben hatten. Er griff dabei das Motiv der „lebendigen Steine“ aus dem Petrusbrief auf. Wir alle seien solche Steine, seien Gottes Volk, in dem jeder gleichberechtigt dazu gehöre. Daran muss Kirche arbeiten und „fantasievolle Wege suchen, damit Kirche Heimat bleibt“. Es gebe kein Zurück in alte, heimelige Milieus. Heute sei die Situation anders, aber es brauche weiterhin ein Gefühl der Zugehörigkeit. Daher seine Einladung an alle Teilnehmer, auch weiter „Volk Gottes auf dem Weg“ zu sein.


Von Andrea Thomas

Veröffentlicht am 28.10.2013

Dateien zum Download

Test