Dialogprozess im Bistum Aachen
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KiZ WeltMachtKirche

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KirchenZeitung Aachen, Ausgabe 6/2015

Mit neuem Mut gegen den Stillstand

Dialog in Aachen hinterfragt Rückenwind für kirchliche Reformen

Die deutsche Kirche habe kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Dass auch dieses Fazit eigentlich schon altbekannt ist, kennzeichnet die Situation am besten.

„Stillstand“ – dieses Wort schließt für Christiane Florin auch einen Dialogprozess ein, in dem dieselben Fragen ein weiteres Mal oben stünden, die seit 40 Jahren besprochen würden.

Die Fachjournalistin steuerte in Aachen ihre persönlichen Ansichten zur Lage der Kirche bei. Mit am Podium saßen mit Saskia Jöris und Philipp Brosch zwei Studierende der Katholischen Theologie und als geistreicher Gesprächspartner außerdem Weihbischof Johannes Bündgens. Durch die eineinhalb Stunden intensiven Austausches in der Aula der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule führte anekdotenstark und pointensicher Theologieprofessor Ulrich Lüke.

Papst Franziskus bringt Bewegung – aber wohin führt diese?

Methodisch war der Abschluss der Ringvorlesung „Welt.Macht.Kirche" von dem Bemühen geprägt, einen echten Dialog auf Augenhöhe zu organisieren. Lüke brachte die Akteure am Podium miteinander und mit dem Publikum ins Gespräch. Und in gewisser Weise saßen auch die Referenten der Vorabende mit am Tisch,  wurden doch Fragestellungen und Positionen aus den Vorlesungen in die abschließende Diskussion eingebracht. Bleibt die Suche nach dem, was über
die Langzeitdiagnose des Stillstands hinausgeht. Papst Franziskus bringt Bewegung in die Szenerie, darin waren sich alle Beteiligten einig. Wohin diese Bewegung führt, sei jedoch noch nicht abzusehen, hieß es im gleichen Atemzug einschränkend. Christiane Florin forderte, den Rückenwind, den die Dynamik des Papstes auslöse, aktiv zu nutzen. Diesen Appell adressierte sie an die deutschen Bischöfe, von denen sie sich deutlich mehr Mut wünschte, die neuerdings wieder betonte Eigenständigkeit der Ortskirchen als Chance für pastorale Erneuerung zu nutzen. Letztlich meinte sie aber auch die kirchlich Engagierten auf allen Ebenen. Die Gemeinden müssten sich aufmachen, ihre Abschottung in der Mittelschicht aufbrechen, an die Ränder gehen, wie der Papst es fordere.

Weihbischof Johannes Bündgens wusste da von etlichen Beispielen zu berichten, in denen sich Kirche im Bistum Aachen schon auf den Weg zu den Benachteiligten und Bedrängten unserer Gesellschaft gemacht habe. Und auch einen Wandel im Selbstverständnis und Selbstbewusstsein der Ehrenamtlichen machte er aus. Vielerorts engagierten sich Frauen, Männer und Jugendliche mit hoher Eigenverantwortung. Die Aachener Diözese zeichne sich durch ein innovatives System der Beteiligung aus, das ein gutes Miteinander der Getauften am Weg der Kirche ermögliche.

Der provokanten These, die Kirche sei in Deutschland nicht mehr als gesellschaftlich bedeutsame Kraft sichtbar, konnten beide Hauptakteure auf dem Podium wenig abgewinnen. Florin kritisierte zwar die permanenten Flügelkämpfe um den rechten Weg. Durch diese Selbstbeschäftigung schaffe die Kirche ihre eigentliche große Aufgabe nicht, nämlich Glauben und Leben zusammenzubringen. Gleichwohl wünschte sich Florin die menschenfreundliche Kirche, die gewinnt, die überzeugt, die hört, denn die Botschaft vom liebenden Gott, der über den Menschen steht, bleibt in den Augen der Journalistin eine wichtige Richtschnur für die Weiterentwicklung der deutschen Gesellschaft.

In das gleiche Horn stieß Weihbischof Bündgens. Wer genau hinsehe, sich informiere, erkenne die katholische Kirche, wie sie sich in vielen Fragen des Lebens mit einer ethischen Entschlossenheit einbringe. Bündgens nannte das Beispiel der Sozialpflichtigkeit des Eigentums, aus welcher die katholische Soziallehre eine Kritik am herrschenden Wirtschaftssystem ableite. „Diese Kritik am Kapitalismus ist für uns genauso verbindlich wie die Unauflöslichkeit der Ehe", verdeutlichte der Weihbischof und forderte dazu auf, „mit beiden Augen" zu sehen und zu erkennen: „ Es geht uns um den Menschen." Dass die Kirche mit all ihren Diensten von manchen auf die Debatte um die Sexualmoral reduziert würde, fand Bündgens nicht in Ordnung: „Da fühlen wir uns in eine Ecke gedrängt, in die wir nicht gehören." 


Von Thomas Hohenschue

Veröffentlicht am 16.09.2015

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